1,8-Cineol (Eucalyptol)

1. Januar 2026

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Belegstatus: gut belegt für Atemwegserkrankungen (in DE als Arzneimittel zugelassen) · Vorsicht bei Säuglingen/Kleinkindern (Aspirations-/Glottiskrampf-Gefahr)
Gruppe (Heimat): Sekundäre Pflanzen- & Pilzstoffe


Steckbrief

Feld Angabe
Synonyme / Trivialnamen Eucalyptol; Cineol; 1,8-Cineol
Wissenschaftl. Bezeichnung 1,3,3-Trimethyl-2-oxabicyclo[2.2.2]octan (bicyclisches Monoterpen, Oxid)
Substanzklasse Monoterpen(oid), ätherisches-Öl-Bestandteil; lipophil
Natürliches Vorkommen Eukalyptusöl (Hauptquelle, 60–85 %), Rosmarin, Lorbeer, Teebaum, Wacholder [434][435]
Verwendeter Teil Isolierte/rektifizierte Verbindung; Bestandteil ätherischer Öle

Herkunft & Gewinnung

1,8-Cineol ist ein bicyclisches Monoterpen und der Hauptbestandteil von Eukalyptusöl (Eucalyptus globulus, 60–85 %) [434][435]. Es kommt zudem in Rosmarin-, Lorbeer-, Teebaum- und Wacholderöl vor — daher ist diese Seite mit den entsprechenden Organismus-Einträgen verknüpft (siehe „Vorkommen in Organismen"). Für Arzneimittel wird es isoliert bzw. das Öl auf einen Mindestgehalt rektifiziert [436].

Wirkstoffe & Chemie

1,8-Cineol hat die Summenformel C₁₀H₁₈O (Molmasse ≈ 154 g/mol) — diese Angabe des Quelldokuments ist korrekt [434]. Es ist fettlöslich, flüchtig und schlecht wasserlöslich.

Pharmakokinetik: Nach oraler Gabe wird 1,8-Cineol im Dünndarm resorbiert und in der Leber über CYP3A4/5 metabolisiert (Hauptmetaboliten: 2α- und 3α-Hydroxy-1,8-Cineol, renal ausgeschieden) [436]. Es erreicht das Bronchialsystem und wird teilweise abgeatmet — Grundlage der Atemwegswirkung [436].

Wirkmechanismus: entzündungshemmend (u. a. Hemmung der NF-κB-Aktivierung und proinflammatorischer Zytokine), sekretolytisch/mukolytisch, bronchienerweiternd und Steigerung der Zilienschlagfrequenz [434][436][437].

Funktion und Einsatz im menschlichen Körper

1,8-Cineol ist kein Nährstoff. Sein etablierter Einsatz ist die Behandlung entzündlicher Atemwegserkrankungen — als schleimlösendes, entzündungshemmendes Mittel [436][437]. In Deutschland ist es als Arzneimittel (magensaftresistente Kapseln, z. B. Soledum, 100/200 mg) für Erkältung, Bronchitis, Sinusitis, Asthma und COPD registriert [436].

Wirkungen auf den Körper

Traditionelle / historische Verwendung

Eukalyptusöl hat eine lange volksmedizinische Tradition bei Atemwegsbeschwerden [434]. Reine Verwendungsbeschreibung.

Studienlage

Für ein „Naturstoff"-Molekül ungewöhnlich gut belegt — mit klinischen Studien am isolierten Wirkstoff (CNL-1976):

Zu unterscheiden: Die belegte Evidenz betrifft orale, standardisierte Cineol-Kapseln — nicht beliebige Inhalationen ätherischer Öle, für die die objektive Evidenz begrenzter ist [435].

Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin

⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt dokumentiert, wie in naturheilkundlicher und alternativmedizinischer
Praxis mit dieser Substanz gearbeitet wird. Er beschreibt eine Praxis, nicht eine
nachgewiesene Wirkung. Die genannten Anwendungen sind überwiegend nicht durch
kontrollierte Studien gestützt
und stehen teils im Widerspruch zum Abschnitt
„Studienlage“ — dieser bleibt maßgeblich für die Frage, was belegt ist.
Bei ernsthaften Erkrankungen (z. B. Krebs, Infektionen, chronischen Leiden) ersetzt
keine der hier beschriebenen Anwendungen eine ärztliche Diagnose und Behandlung.

Das Aufschieben einer wirksamen Therapie kann schwerwiegende Folgen haben.

Praxisrichtung(en): Phytotherapie; Aromatherapie

Wird eingesetzt bei: 1,8-Cineol-reiche Öle (Eukalyptus, Rosmarin) werden bei Erkältung, verstopfter Nase, Husten und Bronchitis eingesetzt — als Inhalation, Einreibung (verdünnt), Bad oder Diffusor; zudem bei Muskel-/Gelenkbeschwerden und in der Hautpflege [434][435].

Begründung in der Praxis: Begründet über die schleimlösende, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung. Als Position der Praxis dargestellt — für die orale Atemwegsanwendung deckt sich dies weitgehend mit der Studienlage; für Haut-/Schmerzanwendungen ist die Evidenz schwächer.

Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Als Arzneikapsel (oral, standardisiert); in der Aromatherapie als verdünntes Öl (Inhalation/Einreibung). Nie unverdünnt oral und nicht im Gesichtsbereich von Kindern (siehe „Wer sollte vorsichtig sein") [435].

Einordnung: Anders als bei den meisten Naturstoffen ist die orale Atemwegsanwendung hier gut belegt — bis hin zur Arzneimittelzulassung in Deutschland [436][438]. Die aromatherapeutischen Anwendungen (Inhalation subjektiv hilfreich, objektiv begrenzt) und Haut-/Schmerz-Claims gehen darüber hinaus. Der zentrale Sicherheitspunkt ist die Gefahr bei Kleinkindern (siehe unten), nicht die Wirksamkeit.

Quelle der Praxisbeschreibung: [434][435]

Belegt wird hier die Existenz der Praxis, nicht ihre Wirksamkeit.

Praktische Hinweise

Zubereitung & Anwendungsformen

Als magensaftresistente Kapsel (oral, Arzneimittel) oder als verdünntes ätherisches Öl (Inhalation, Einreibung, Diffusor) [435][436]. Reines ätherisches Öl ist hochkonzentriert und nicht zum unverdünnten oralen Gebrauch bestimmt.

Handhabung & Lagerung

Ätherische Öle licht- und luftgeschützt, kühl und für Kinder unzugänglich lagern (Vergiftungsgefahr bei Verschlucken).

Wer sollte vorsichtig sein

Empfohlene Dosierung

Als Arzneimittel gemäß Fachinformation (z. B. Kapseln 3× täglich) — arzneimittelspezifisch und ärztlich/apothekerlich zu klären [436]. Für ätherische Öle Herstellerangaben/fachliche Beratung befolgen; keine freien Dosierungsempfehlungen.

Risiken, Neben- & Wechselwirkungen

Oral als standardisierte Kapsel ist 1,8-Cineol meist gut verträglich (gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, Sodbrennen, selten allergische Reaktionen). Gravierende Risiken betreffen die falsche Anwendung ätherischer Öle: Verschlucken reinen Öls (toxisch, Aspiration) und Anwendung bei Kleinkindern (Glottiskrampf/Atemstillstand) [435]. Wechselwirkungen: hepatischer CYP3A4/5-Metabolismus → mögliche Interaktionen mit entsprechend metabolisierten Arzneistoffen [436]; im Labor Hinweise auf Beeinflussung der Thrombozytenaktivierung [437]. [Zu prüfen: klinische Relevanz der Gerinnungs-Interaktion.]

Rechtlicher Status

In Deutschland ist 1,8-Cineol (CNL-1976) als zugelassenes Arzneimittel für entzündliche Atemwegserkrankungen registriert (z. B. Soledum) [436]. Ätherische Öle mit hohem Cineol-Gehalt sind als Kosmetik/Aromatherapieprodukte verkehrsfähig; als Lebensmittelaroma reguliert.
[Zu belegen: exakter arzneimittel-/produktrechtlicher Status in AT und CH mit amtlicher Quelle.]

Zusammenfassung

1,8-Cineol (Eucalyptol, C₁₀H₁₈O) ist das Hauptmonoterpen des Eukalyptusöls und kommt auch in Rosmarin, Lorbeer, Teebaum und Wacholder vor [434][435]. Es wirkt schleimlösend, entzündungshemmend und bronchienerweiternd; die orale Anwendung bei Atemwegserkrankungen ist gut belegt (RCTs zu Rhinosinusitis, Bronchitis, Asthma, COPD) und in Deutschland als Arzneimittel zugelassen [436][438]. Metabolismus über CYP3A4/5 [436]. Zentraler Sicherheitspunkt: ätherische Cineol-Öle sind bei Säuglingen/Kleinkindern gefährlich (Glottiskrampf, Atemstillstand) und dürfen nicht unverdünnt oral verwendet werden [435]. Kein Nährstoff.

Quellen

[434] Eucalyptol (1,8-cineole): an underutilized ally in respiratory disorders? J Essent Oil Res 2020;32(2) (Pharmakologie, klinische Studien Rhinosinusitis/Bronchitis/Asthma/COPD). https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10412905.2020.1716867
[435] Eucalyptus / 1,8-Cineol — Sicherheit (Kinder < 10, keine Gesichtsanwendung, orale Toxizität des reinen Öls; Cineol-Gehalt 60–85 %). Sekundärquellen: Aromahead / Organic Expertise. https://organicexpertise.com/essential-oils/eucalyptus
[436] 1,8-cineole (eucalyptol): therapeutic applications across multiple diseases — Soledum/CNL-1976 als zugelassenes Arzneimittel in DE, CYP3A4/5-Metabolismus, klinische Studien. ScienceDirect 2023. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0753332223012659
[437] Anti-inflammatory properties of the monoterpene 1,8-cineole — mukolytisch/spasmolytisch, Asthma/COPD, NF-κB-Hemmung. PubMed 24831245. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24831245/
[438] Klinische Studien 1,8-Cineol: COPD-Exazerbationsreduktion (placebokontrolliert, doppelblind), Rhinosinusitis-RCT (Zusammenfassung; Sekundärquelle mit Primärreferenzen). https://organicexpertise.com/essential-oils/eucalyptus

Hinweis zu [435], [438]: Sekundärquellen (referenzieren die Primär-RCTs). [434], [436], [437] sind peer-reviewt.
[Zu prüfen: Primär-RCTs direkt zitieren — Worth et al. Respir Res 2009 (COPD); Kehrl et al. Laryngoscope 2004 (Rhinosinusitis); Juergens et al. 2003 (Asthma).]

Verwandte Substanzen

Vorkommen in Organismen

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