Hericenone

1. Januar 2026

pilzlich neuroprotektiv ngf-stimulierend-umstritten unzureichend-untersucht terpenoid fruchtkörper lions-mane-wirkstoff evidenz-widersprüchlich

Belegstatus: unzureichend untersucht · Wirkzuschreibung in der Literatur umstritten
Gruppe (Heimat): Sekundäre Pflanzen- & Pilzstoffe


Steckbrief

Feld Angabe
Synonyme / Trivialnamen Hericenone, Hericenon A–H
Wissenschaftl. Bezeichnung Hericenone A, B, C, D, E, F, G, H (aromatische Cyathan-verwandte Verbindungen)
Substanzklasse Terpenoid / aromatische niedermolekulare Verbindung
Natürliches Vorkommen Ausschließlich Hericium-Arten, v. a. H. erinaceusnur im Fruchtkörper
Verwendeter Teil Fruchtkörper; nicht isoliert im Handel

Herkunft & Gewinnung

Hericenone sind aromatische Verbindungen, die aus den Fruchtkörpern des
Igelstachelbarts isoliert werden [29]. Zusammen mit den Erinacinen gelten sie als
Verbindungen, die vermutlich nur in Hericium-Arten vorkommen [29]. Die klare
Arbeitsteilung: Hericenone stammen typischerweise aus dem Fruchtkörper, Erinacine aus dem
Myzel [29][33].

Wirkstoffe & Chemie

Hericenone A bis H sind aromatische Verbindungen aus dem Fruchtkörper [29]. Wie die
Erinacine sind sie niedermolekular und können daher potenziell die Blut-Hirn-Schranke
passieren [29] — der entscheidende Punkt, weil NGF als großes Protein dies nicht kann [38].

Funktion und Einsatz im menschlichen Körper

Hericenone sind keine körpereigenen Stoffe und haben keine physiologische Funktion im
menschlichen Stoffwechsel. Sie werden nicht isoliert eingesetzt, sondern über
Fruchtkörper-Präparate des Igelstachelbart (Lion's Mane) aufgenommen.

Wirkungen auf den Körper

Traditionelle / historische Verwendung

Keine eigenständige traditionelle Verwendung — diese bezieht sich stets auf den ganzen Pilz
Igelstachelbart (Lion's Mane).

Studienlage

Der positive Befund. Hericenone zeigten in vitro einen starken stimulierenden Effekt auf
die Biosynthese des Nervenwachstumsfaktors NGF: In Gegenwart der Hericenone C, D, E und H
(je 33 µg/ml) schütteten Maus-Astrogliazellen 23,5 ± 1,0 · 10,8 ± 0,8 · 13,9 ± 2,1 bzw.
45,1 ± 1,1 pg/ml NGF aus [29]. Hericenon H war damit am aktivsten. Übersichtsarbeiten führen
Hericenone entsprechend als NGF-Stimulatoren [31][38].

Der Widerspruch — und er ist wichtig. Eine Untersuchung an menschlichen
Astrozytom-Zellen (1321N1) kam zum gegenteiligen Ergebnis: Während der Gesamtextrakt von
H. erinaceus die NGF-Genexpression konzentrationsabhängig förderte, taten die isolierten
Hericenone C, D und E dies nicht
. Die Autoren folgern ausdrücklich, dass die
NGF-stimulierenden Wirkstoffe des Pilzes nicht die Hericenone sind [36].

Einordnung. Damit steht die verbreitete Zuschreibung „Hericenone = NGF-Wirkung" auf
unsicherem Grund: Sie stammt aus Maus-Zellmodellen, wurde im menschlichen Zellmodell aber
nicht bestätigt. Von den Einzelstoffen des Pilzes hat bislang nur Erinacin A bestätigte
pharmakologische Wirkungen im Zentralnervensystem (der Ratte) [33]. Humanstudien zu
isolierten Hericenonen existieren nicht. Daher: „unzureichend untersucht" mit ausdrücklichem
Hinweis auf die widersprüchliche Datenlage.

Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin

⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt dokumentiert, wie in naturheilkundlicher und alternativmedizinischer
Praxis mit dieser Substanz gearbeitet wird. Er beschreibt eine Praxis, nicht eine
nachgewiesene Wirkung. Die genannten Anwendungen sind überwiegend nicht durch
kontrollierte Studien gestützt
und stehen teils im Widerspruch zum Abschnitt
„Studienlage“ — dieser bleibt maßgeblich für die Frage, was belegt ist.
Bei ernsthaften Erkrankungen (z. B. Krebs, Infektionen, chronischen Leiden) ersetzt
keine der hier beschriebenen Anwendungen eine ärztliche Diagnose und Behandlung.

Das Aufschieben einer wirksamen Therapie kann schwerwiegende Folgen haben.

Praxisrichtung(en): Mykotherapie (Vitalpilztherapie)

Wird eingesetzt bei: Hericenone werden nicht isoliert angewendet und spielen in den
ausgewerteten deutschsprachigen Praxisbeschreibungen keine eigenständige Rolle. Die Anwendung
erfolgt über den Fruchtkörper des Pilzes.

Begründung in der Praxis: Die Mykotherapie begründet den Einsatz von Hericium allgemein mit
Polysacchariden, Beta-Glucanen und Terpenen [62]; Hericenone werden dabei nicht gesondert
benannt.

Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Nicht isoliert; über
Hericium-Fruchtkörper-Präparate.

Einordnung: Bemerkenswert ist die Diskrepanz: In der populären Darstellung (vor allem
im englischsprachigen Raum) sind die Hericenone der prominenteste Wirkstoff des Pilzes —
obwohl gerade ihre NGF-Wirkung wissenschaftlich umstritten ist (siehe „Studienlage“: im
menschlichen Zellmodell zeigten die isolierten Hericenone C, D und E keine NGF-Induktion).
In den hier ausgewerteten deutschsprachigen Praxisquellen tauchen sie hingegen kaum auf.
[Zu belegen: gezielte Praxisquelle zu Hericenonen, falls eine existiert.]

Quelle der Praxisbeschreibung: [62]

Praktische Hinweise

Zubereitung & Anwendungsformen

Nicht als Einzelstoff im Handel. Aufnahme über Fruchtkörper-Präparate des
Igelstachelbart (Lion's Mane) — Myzel-Präparate enthalten stattdessen Erinacine
[29][33].

Handhabung & Lagerung

Wie beim Ausgangspräparat: trocken, licht- und wärmegeschützt.

Wer sollte vorsichtig sein

Es gelten die Vorsichtshinweise des Ausgangspilzes Igelstachelbart (Lion's Mane)
(Pilzallergie, Blutverdünner, Antidiabetika, Immunsuppressiva).

Empfohlene Dosierung

Für isolierte Hericenone existiert keine belegte Dosierung. Die genannten
In-vitro-Konzentrationen (33 µg/ml) [29] sind Laborwerte und keine Anwendungsangabe.

Risiken, Neben- & Wechselwirkungen

Eigenständige Risikodaten zu isolierten Hericenonen liegen nicht vor; es gelten die für
Igelstachelbart (Lion's Mane) beschriebenen Angaben. [Zu belegen: spezifische
Toxikologie isolierter Hericenone.]

Rechtlicher Status

Nicht als eigenständiger Stoff reguliert; Verkehrsfähigkeit ergibt sich aus der des
Pilzpräparats.

Zusammenfassung

Hericenone sind aromatische, niedermolekulare Verbindungen aus dem Fruchtkörper des
Igelstachelbarts, die vermutlich nur in Hericium-Arten vorkommen [29]. In Maus-Zellmodellen
stimulieren sie die NGF-Biosynthese deutlich [29], in einem menschlichen Zellmodell jedoch
nicht — dort waren die aktiven Verbindungen ausdrücklich nicht die Hericenone [36]. Die
Datenlage ist damit widersprüchlich; Humanstudien zum isolierten Stoff fehlen. Praktisch
relevant: Hericenone finden sich im Fruchtkörper, Erinacine im Myzel [33].

Quellen

[29] Lion's mane (Hericium erinaceus) — Monograph. Restorative Medicine. https://restorativemedicine.org/library/monographs/lions-mane/
[31] Lion's Mane Mushroom (H. erinaceus): A Neuroprotective Fungus — Narrative Review. PMC12030463. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12030463/
[33] Neurohealth Properties of H. erinaceus Mycelia Enriched with Erinacines. PMC5987239. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5987239/
[36] NGF-inducing activity of H. erinaceus in 1321N1 human astrocytoma cells. PubMed 18758067. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18758067/
[38] Hericenones and erinacines: stimulators of NGF biosynthesis in H. erinaceus. Mycology 2010. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21501201003735556
[62] Mykotherapie: Antworten auf die wichtigsten Fragen. Heilpraktikerin Nicolli (Praxisbeschreibung). https://heilpraktikerin-nicolli.de/ratgeber/mykotherapie/

Hinweis zu [59]–[65]: Dies sind Praxis-, Therapeuten- und Anbieterseiten. Sie belegen
die Existenz und Beschreibung der Praxis, nicht deren Wirksamkeit. Als Quelle für
die Frage „wird es so angewendet?“ sind sie geeignet, als Wirknachweis nicht. Anbieter-
seiten ([63][64]) haben zudem ein kommerzielles Interesse — beim Lesen mitdenken.

Verwandte Substanzen

Vorkommen in Organismen

Speicherort (Wiki.js)

Beim Anlegen der Seite exakt so eintragen. Der Pfad ist die Verlinkungs-Adresse
alle Links anderer Seiten zeigen hierauf. Nach dem Anlegen nicht mehr ändern,
sonst brechen sie. Der Titel ist nur Anzeige und jederzeit änderbar.

Pfad: /substanzen/sekundaerstoffe/hericenone
Titel: Hericenone


Dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.