Rosavine & Salidrosid
Belegstatus: charakteristische Wirkstoffe der Rhodiola rosea · gelten als adaptogene Marker; antioxidative/neuroprotektive und Anti-Fatigue-Effekte überwiegend präklinisch, Humannutzen über die Gesamtpflanze (moderat) · Standardisierung meist 3 % Rosavine / 1 % Salidrosid
Gruppe (Heimat): Sekundäre Pflanzen- & Pilzstoffe
Steckbrief
| Feld | Angabe |
|---|---|
| Synonyme / Trivialnamen | Rosavine (Rosavin, Rosin, Rosarin); Salidrosid (Rhodiolosid); Aglykon: Tyrosol |
| Wissenschaftl. Bezeichnung | Rosavine: Phenylpropanoid-Glykoside; Salidrosid: Phenylethanoid-Glykosid (Tyrosol-Glucosid) |
| Substanzklasse | Pflanzliche Glykoside (Phenylpropanoide / Phenylethanoide) |
| Natürliches Vorkommen | Wurzel von Rhodiola rosea (Rosavine art-spezifisch); Salidrosid auch in anderen Rhodiola-Arten [913][914] |
| Verwendeter Teil | Isolierte Verbindungen / standardisierter Rhodiola-Extrakt |
Herkunft & Gewinnung
Rosavine und Salidrosid sind die namensgebenden Wirkstoffe des Rosenwurz (Rhodiola rosea). Salidrosid kommt in mehreren Rhodiola-Arten vor, Rosavine dagegen sind weitgehend art-spezifisch für R. rosea — sie fehlen in anderen Arten oder liegen nur in Spuren vor [913][914]. Aus diesem Grund werden Extrakte auf beide Marker standardisiert (typisch 3 % Rosavine, 1 % Salidrosid), um Verwechslung/Verfälschung mit anderen Arten auszuschließen [914]. Ausführlich zur Pflanze: Rhodiola rosea.
Wirkstoffe & Chemie
Salidrosid ist das Glucosid von Tyrosol; beide zeigen antioxidative, anti-fatigue- und anti-hypoxische Eigenschaften [913]. Rosavin wirkt in präklinischen Modellen antioxidativ, lipidsenkend, analgetisch und immunmodulierend [913]. Auf Organismus-Ebene modulieren die Rhodiola-Wirkstoffe die HPA-Achse (Cortisol) und erhöhen HSP70 (siehe Rhodiola-Seite). Wichtig: Die Konzentration im Pflanzenmaterial schwankt stark (Salidrosid um bis zum ~400-Fachen), was die Standardisierung zur Qualitätsfrage macht [914][915].
Funktion und Einsatz im menschlichen Körper
Rosavine und Salidrosid sind kein Nährstoff. Sie sind die Wirk- und Leitmarker des adaptogenen Rhodiola-Extrakts; der Anwendungsgedanke ist die Steigerung der Stressresistenz und die Verringerung stressbedingter Erschöpfung [913]. Der belastbare Humannutzen ist über die Gesamtpflanze (moderat) belegt — siehe Rhodiola rosea.
Wirkungen auf den Körper
Traditionelle / historische Verwendung
Die Wirkstoffe stehen für die traditionelle Verwendung des Rosenwurz gegen Erschöpfung und zur Stärkung der Widerstandskraft (siehe Rhodiola-Seite). Reine Einordnung.
Studienlage
- Antioxidativ/neuroprotektiv — präklinisch: Salidrosid/Tyrosol und Rosavin zeigen in vitro/Tier antioxidative, neuroprotektive und anti-fatigue-Effekte [913].
- Adaptogen (Marker): Rosavine gelten als die primären adaptogenen Verbindungen, die die Stressantwort normalisieren; Salidrosid trägt antioxidativ/neuroprotektiv bei [913][914].
- Human: Direkte Studien mit isolierten Reinstoffen sind begrenzt; die klinische Evidenz bezieht sich auf standardisierte Rhodiola-Extrakte (3 % Rosavine/1 % Salidrosid) — siehe Rhodiola-Seite [913][914].
Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin
⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt beschreibt eine Praxis. Die adaptogene Wirkung ist über die Gesamtpflanze
(moderat) belegt; isolierte Reinstoff-Claims sind es kaum.
Bei ernsthaften Erkrankungen ersetzt Rhodiola/ihre Wirkstoffe keine ärztliche Behandlung.
Praxisrichtung(en): Phytotherapie; Adaptogen-/Stress-Supplementpraxis
Wird eingesetzt bei: Rosavine/Salidrosid (als standardisierter Rhodiola-Extrakt) werden bei Stress, Erschöpfung, Konzentrations- und Leistungsschwäche eingesetzt [913].
Begründung in der Praxis: Über die adaptogene Markerwirkung (HPA-Achse/Antioxidation). Für stressbedingte Fatigue teilweise durch RCTs (mit der Gesamtpflanze) gestützt.
Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Als standardisierter Extrakt (3 % Rosavine, 1 % Salidrosid); Reinstoffe sind selten isoliert im Handel.
Einordnung: Die Wirkstoffe sind v. a. als Standardisierungs- und Qualitätsmarker relevant: Ein Rhodiola-Produkt ohne definierten Rosavin-/Salidrosid-Gehalt hat unklare Wirkung, auch weil andere Rhodiola-Arten keine Rosavine liefern [914]. Der eigentliche (moderate) Nutzenbeleg liegt bei der Gesamtpflanze.
Quelle der Praxisbeschreibung: [913]
Belegt wird hier die Existenz der Praxis, nicht die isolierte Wirksamkeit der Reinstoffe.
Praktische Hinweise
Zubereitung & Anwendungsformen
Praktisch immer als standardisierter Rhodiola-Wurzelextrakt (3 % Rosavine, 1 % Salidrosid), nicht als isolierte Reinstoffe [914].
Handhabung & Lagerung
Trocken und lichtgeschützt lagern.
Wer sollte vorsichtig sein
- Wie bei der Gesamtpflanze: anregende Wirkung (späte Einnahme meiden), Vorsicht bei bipolarer Störung, in Schwangerschaft/Stillzeit meiden, bei Medikation ärztlich abklären (siehe Rhodiola-Seite).
Empfohlene Dosierung
Über den standardisierten Extrakt: 200–600 mg/Tag (entsprechend ~6–18 mg Rosavine + ~2–6 mg Salidrosid) [913][914].
Risiken, Neben- & Wechselwirkungen
Im Rahmen standardisierter Rhodiola-Extrakte kurzfristig gut verträglich (milde Nebenwirkungen wie Schwindel/Mundtrockenheit); Details und Wechselwirkungen siehe Rhodiola rosea.
Rechtlicher Status
Als Bestandteile von Rhodiola-Extrakten in DE, AT und CH als NEM/traditionelle Präparate verkehrsfähig; gesundheitsbezogene Werbung unterliegt der EU-Health-Claims-Verordnung.
Zusammenfassung
Rosavine und Salidrosid sind die charakteristischen adaptogenen Wirkstoffe der Rhodiola rosea [913][914]. Rosavine sind weitgehend art-spezifisch für R. rosea, Salidrosid (Glucosid des Tyrosols) kommt auch in anderen Arten vor — daher die übliche Doppel-Standardisierung (3 % Rosavine/1 % Salidrosid) als Qualitätssicherung [914]. Ihre antioxidativen/neuroprotektiven und Anti-Fatigue-Effekte sind überwiegend präklinisch; der belastbare Humannutzen ist über die Gesamtpflanze (moderat, v. a. stressbedingte Fatigue) belegt [913]. Wegen der bis zu 400-fachen Gehaltsschwankung ist die Standardisierung praktisch entscheidend [914][915].
Quellen
[913] Lucius K. Rhodiola rosea: Clinical Evidence for Adaptogenic and Ergogenic Effects (Salidrosid/Tyrosol anti-fatigue/anti-hypoxisch; Rosavin antioxidativ/lipidsenkend/immunmodulierend; Gehalt anbau-/extraktionsabhängig). Integr Complement Ther 2024. https://journals.sagepub.com/doi/10.1089/ict.2024.56827.luc
[914] Rhodiola Rosea: Evidence-Based Health Benefits (Rosavine primäre adaptogene Verbindungen; Salidrosid antioxidativ/neuroprotektiv; Standardisierung 3 % Rosavine/1 % Salidrosid; nur R. rosea enthält beide). News-Medical 2025. https://www.news-medical.net/health/Rhodiola-Rosea-Evidence-Based-Health-Benefits-and-Clinical-Insights.aspx
[915] Rhodiola Rosea: What the Research Actually Shows (Salidrosid-/Rosavin-/Rosin-Polyphenole; Salidrosid-Schwankung 0,03–12,85 mg/g ≈ 400-fach; Produktqualität variabel). Klarity Health 2026. https://my.klarity.health/rhodiola-rosea-what-the-research-actually-shows-about-stress-and-fatigue/
[913] ist peer-reviewt; [914]/[915] sind Übersichts-/Sekundärquellen. Die tragende Human-Evidenz liegt bei der Gesamtpflanze (siehe Rhodiola-Seite). [Zu prüfen]
Verwandte Substanzen
- Ginsenoside (Wirkstoffe eines anderen Adaptogens)
- Withanolide (Ashwagandha-Wirkstoffe; Adaptogen)
- Eleutheroside (Wirkstoffe der Taigawurzel/Eleuthero)
Vorkommen in Organismen
- Rhodiola rosea (Rosenwurz) (Hauptquelle; Wurzel)
Speicherort (Wiki.js)
Pfad: /substanzen/sekundaerstoffe/rosavine-salidrosid
Titel: Rosavine & Salidrosid
Dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.