Betain (TMG)

1. Januar 2026

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Belegstatus: Methylgruppen-Spender; senkt Homocystein dosisabhängig (autorisierter EFSA-Claim ab 1,5 g/Tag) · als Cystadane Arzneimittel bei Homocystinurie · Sicherheits-Flag: hohe Dosen können das LDL-Cholesterin erhöhen
Gruppe (Heimat): Vitaminähnliche Substanzen


Steckbrief

Feld Angabe
Synonyme / Trivialnamen Betain; Trimethylglycin (TMG); Betain-Anhydrat; Glycin-Betain
Wissenschaftl. Bezeichnung Trimethylglycin (Glycin mit drei Methylgruppen)
Substanzklasse Vitaminähnliche Substanz; Methylgruppen-Donor (Osmolyt)
Natürliches Vorkommen Rote Bete (namensgebend), Spinat, Quinoa, Vollkorn, Meeresfrüchte [875]
Verwendeter Teil Isolierte Verbindung; auch körpereigen aus Cholin gebildet

Herkunft & Gewinnung

Betain (Trimethylglycin, TMG) ist ein Methylgruppen-Spender und Osmolyt, der in Lebensmitteln wie Rote Bete (Namensgeber), Spinat, Quinoa, Vollkorn und Meeresfrüchten vorkommt [875]. Der Körper bildet Betain zudem aus Cholin durch zweistufige Oxidation in Leber/Niere [872][874]. Beziehung zu Cholin: Wer Cholin aufnimmt, bildet daraus „stromabwärts" Betain; wer Betain nimmt, überspringt diesen Oxidationsschritt [872]. Siehe auch Cholin.

Wirkstoffe & Chemie

Der Name „Trimethylglycin" beschreibt die Struktur: ein Glycin mit drei Methylgruppen (CH₃) — das macht Betain zu einem exzellenten Methyl-Donor [875]. Zentrale Reaktion: Das Enzym Betain-Homocystein-Methyltransferase (BHMT) überträgt eine Methylgruppe von Betain auf Homocystein, das dadurch zu Methionin remethyliert wird (Betain wird zu Dimethylglycin) [872][874]. BHMT sitzt v. a. in Leber und Niere und stellt einen Alternativweg zur ubiquitären, folatabhängigen Methioninsynthase dar [874]. Damit greift Betain — neben Cholin, Vitamin B9 (Folat) und Vitamin B12 — direkt in den Homocystein-/Methylierungsstoffwechsel ein.

Funktion und Einsatz im menschlichen Körper

Betain hat zwei Hauptfunktionen: Methyl-Donor (Homocystein-Senkung, Methylierung, Beitrag zur Carnitinbildung) und Osmolyt (Zellschutz, u. a. in der Niere) [875][876]. Angewendet wird es zur Homocystein-Senkung, zur Leberunterstützung (Fettleber) und — als Arzneimittel — bei der seltenen Erbkrankheit Homocystinurie [873][876].

Wirkungen auf den Körper

Traditionelle / historische Verwendung

Keine klassische traditionelle Verwendung; Betain ist ein ernährungsphysiologisch/pharmakologisch definierter Stoff. Reine Einordnung.

Studienlage

Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin

⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt beschreibt eine Praxis. Die Homocystein-Senkung ist belegt (EFSA-Claim);
der Nutzen für harte Endpunkte (Herzinfarkt/Schlaganfall) ist es nicht.
Bei erhöhtem Homocystein oder Lebererkrankung ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Praxisrichtung(en): Orthomolekulare Medizin; Methylierungs-/„MTHFR"-Supplementpraxis; Sporternährung

Wird eingesetzt bei: Betain/TMG wird zur Homocystein-Senkung, „Methylierungsunterstützung" (auch bei MTHFR-Varianten), Leberunterstützung/Fettleber und (im Sport) zur Leistungssteigerung eingesetzt [875][876].

Begründung in der Praxis: Über die BHMT-vermittelte Homocystein-Remethylierung und die Methyl-Donor-/Osmolyt-Funktion. Für die Homocystein-Senkung belegt; weitere Claims teils präklinisch/vorläufig.

Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Betain-Anhydrat/TMG-Pulver oder -Kapseln; oft mit Folat + B12 kombiniert (parallele Remethylierungswege); mit Mahlzeit einnehmen.

Einordnung: Die Homocystein-Senkung ist real und EFSA-anerkannt (ab 1,5 g/Tag) [872]. Zwei Vorbehalte: (1) Eine Homocystein-Senkung ist nicht automatisch ein Beleg für weniger Herzinfarkte/Schlaganfälle [873]; (2) hohe Dosen können das LDL-Cholesterin erhöhen — bei Hochdosis die Blutfette überwachen [876]. Folat + B12 adressieren denselben Stoffwechsel und sind oft die naheliegendere „erste" Maßnahme.

Quelle der Praxisbeschreibung: [875][876]

Belegt wird hier die Existenz der Praxis; die Homocystein-Senkung ist zusätzlich belegt.

Praktische Hinweise

Zubereitung & Anwendungsformen

Betain-Anhydrat/TMG als Pulver/Kapsel; mit Mahlzeit einnehmen (Verträglichkeit) [875]. Häufig mit Folat/B12 kombiniert.

Handhabung & Lagerung

Trocken und lichtgeschützt lagern (hygroskopisch).

Wer sollte vorsichtig sein

Empfohlene Dosierung

Für den EFSA-Homocystein-Claim: 1,5 g/Tag [872][876]. Dosis-Wirkung: 1,5 / 3 / 6 g senken Homocystein um ~5 / ~10 / ~14 %; für den Normalbereich reichen meist ~3 g/Tag [872]. Bei alkoholbedingter Fettleber werden in der Praxis höhere Mengen (z. B. 1–2 g Betaincitrat 3×/Tag) genutzt [876]. Höhere Dosen wegen der Lipidwirkung nicht unkontrolliert.

Risiken, Neben- & Wechselwirkungen

Bei empfohlenen Dosen gut verträglich (gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden, Körpergeruch bei sehr hohen Dosen). Sicherheits-Flag: Hohe Betain-Dosen können LDL-Cholesterin und Triglyzeride erhöhen — relevant für Herz-Kreislauf-Risikopatienten [876]. Relevante Arzneimittel-Wechselwirkungen sind kaum etabliert; die Anwendung bei Homocystinurie erfolgt ärztlich.

Rechtlicher Status

Betain ist in DE, AT und CH als NEM-Zutat verkehrsfähig; es besteht ein EFSA-autorisierter Health Claim (normaler Homocystein-Stoffwechsel, ID 4325, an 1,5 g/Tag geknüpft) [876]. Als Betain-Anhydrat (Cystadane) ist es ein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung der Homocystinurie.

Zusammenfassung

Betain (Trimethylglycin, TMG) ist ein Methylgruppen-Spender und Osmolyt, der über das Enzym BHMT Homocystein zu Methionin remethyliert [872][874]. Die Homocystein-Senkung ist gut belegt und dosisabhängig (1,5/3/6 g → ~5/10/14 %) und trägt einen autorisierten EFSA-Claim (ab 1,5 g/Tag) [872][876]. Als Cystadane ist Betain ein Arzneimittel bei Homocystinurie [873]. Zwei Vorbehalte: Eine Homocystein-Senkung ist kein Beleg für weniger Herzinfarkte, und hohe Dosen können LDL-Cholesterin erhöhen [873][876]. Betain arbeitet eng mit Cholin, Folat (B9) und B12 im Methylierungsstoffwechsel zusammen. Gut verträglich; bei Hochdosis Blutfette überwachen.

Quellen

[872] TMG (Trimethylglycine) Guide — Homocystein/Methylierung (Cholin→Betain; BHMT in Leber/Niere; Olthof 2003: 1,5/3/6 g → ~5/10/14 % Homocystein-Senkung; EFSA-Claim; Kombination Folat+B12). SupplementsWise (Sekundärquelle mit Primärzitaten: Olthof J Nutr 2003; Ueland 2011). https://supplementswise.com/blogs/articles/tmg-trimethylglycine-uk-guide
[873] Method of increasing conversion of homocysteine to methionine / Homocystinuria therapy (Betain/CYSTADANE als Standardtherapie; BHMT-Reaktion Betain+Hcy→Dimethylglycin+Met; senkt Hcy oft nicht in den Normbereich; Leber/Niere-Enzym). USPTO 5668173 / Wilcken 1983 (N Engl J Med). https://image-ppubs.uspto.gov/dirsearch-public/print/downloadPdf/5668173
[874] Efficacy and pharmacokinetics of betaine in CBS and cblC deficiencies: cross-over RCT (Betain aus Cholin in Leber/Niere; BHMT-Remethylierung Hcy→Met als Alternativweg zur folatabhängigen Methioninsynthase). Orphanet J Rare Dis 2022. PMC9664596. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9664596/
[875] Betaine (TMG) for Homocysteine & Fatty Liver — science-based guide (TMG = Glycin + 3 Methylgruppen; Quellen Rote Bete/Spinat/Quinoa/Vollkorn/Meeresfrüchte; Methyl-Donor; mit Mahlzeit; Lipide überwachen). QN Wellness (Sekundärquelle). https://qnwellness.com/blogs/article/betaine-tmg-for-homocysteine-fatty-liver-science-based-benefits-guide
[876] EFSA — Health claims choline/betaine & homocysteine metabolism (EFSA 2011: Betain-Claim ID 4325, normaler Homocystein-Stoffwechsel; Cholin↔Betain; Kontext Homocystein/CVD). EFSA Journal 2011;9(4):2056. https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2011.2056

[874] und [876] sind peer-reviewt bzw. EFSA-autoritativ; [872]/[875] sind Sekundärquellen, die die tragende Primärstudie (Olthof et al., J Nutr 2003) referenzieren — diese sollte vor Veröffentlichung direkt zitiert werden. [Zu prüfen]

Verwandte Substanzen

Vorkommen in Organismen

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