Vitamin K2 (Menachinon)
Belegstatus: vorläufig (Knochen, Gefäßverkalkung) · gut belegt (Grundfunktion als Vitamin K)
Gruppe (Heimat): Vitamine
Steckbrief
| Feld | Angabe |
|---|---|
| Synonyme / Trivialnamen | Menachinon, Menaquinon; Handelsformen: MK-4, MK-7 |
| Wissenschaftl. Bezeichnung | Menachinone MK-4 bis MK-13 (nach Länge der Seitenkette) |
| Substanzklasse | Naphthochinon (fettlöslich) |
| Natürliches Vorkommen | Fermentierte Lebensmittel (Natto), Käse, Eigelb, tierische Produkte; Bildung durch Darmbakterien |
| Verwendeter Teil | Isolierte Verbindung; Präparate als MK-4 oder MK-7 |
Herkunft & Gewinnung
Vitamin K2 ist der Sammelbegriff für eine Familie von Menachinonen, die sich durch die Länge
ihrer Seitenkette unterscheiden und entsprechend als MK-4 bis MK-13 bezeichnet werden [88]. Am
besten untersucht sind MK-4, MK-7 und MK-9 [88].
Die Herkunft unterscheidet sich je nach Form [86][88]:
- Langkettige Menachinone werden von Bakterien im unteren Darm produziert.
- MK-4 ist dagegen kein wesentliches Bakterienprodukt: Es entsteht durch zelluläre
Alkylierung von Menadion und kann auch aus Phyllochinon gebildet werden — Letzteres wurde in
keimfreien Tieren und Zellkultur gezeigt [86]. - Über die Nahrung: fermentierte Lebensmittel, einige Käsesorten, Eigelb und tierische Produkte
[87].
Praktisch relevant: Die Zufuhr über die Nahrung ist gering. Eine Untersuchung in Mitteleuropa
ermittelte eine mittlere K2-Zufuhr von 28,7 ± 11,4 µg/Tag (davon MK-4: 25,9 µg; MK-7: nur
0,2 µg) gegenüber 120,9 µg/Tag bei K1 [91]. Wer MK-7 gezielt über Lebensmittel aufnehmen will,
hat es also schwer.
Wirkstoffe & Chemie
Wie Vitamin K1 gehören die Menachinone zu den
3-substituierten 2-Methyl-1,4-Naphthochinonen; sie tragen jedoch eine ungesättigte
Polyisoprenyl-Seitenkette mit 6 bis 13 Isoprenyl-Einheiten [86][88].
Die Seitenkette bestimmt das Verhalten im Körper — und hier gibt es einen interessanten Befund:
In einer Modellierungsstudie banden VKORC1 die Formen K1 und MK-4 fest (im Epoxid- und
Chinon-Zustand), während MK-7 nur eine wacklige Bindung an VKORC1 zeigte, verursacht durch
Wechselwirkungen seiner hydrophoben Seitenkette mit der Membran [89]. Zudem gilt: Beim Menschen
ist das trans-Isomer von MK-7 die biologisch aktive Form; cis-Analoga sind biologisch
inaktiv [92] — ein Qualitätskriterium, das Produkte oft nicht ausweisen.
Funktion und Einsatz im menschlichen Körper
Vitamin K2 teilt die Grundfunktion aller Vitamin-K-Formen: Cofaktor der γ-Glutamyl-Carboxylase,
die vitamin-K-abhängige Proteine aktiviert [89]. Die Arbeitsteilung ist jedoch charakteristisch
[87]:
- K1 wird vorrangig von der Leber für Gerinnungsproteine genutzt.
- K2 spielt die größere Rolle darin, Calcium in die Knochen und aus den Blutgefäßen heraus
zu dirigieren.
Genau daraus leitet sich das Interesse an K2 ab — die Vorstellung, Calcium dorthin zu lenken, wo
es hingehört (Knochen) und weg von dort, wo es schadet (Arterienwand). Ein separater Bedarf für
Menachinone ist offiziell allerdings nicht festgelegt [91].
Wirkungen auf den Körper
Aus der Funktion folgt: Der Mangelausgleich wirkt über den allgemeinen Vitamin-K-Status. Die
darüber hinausgehenden Effekte auf Knochen und Gefäße sind das eigentlich Interessante —
und hier ist die Evidenz vielversprechend, aber noch nicht abschließend.
Traditionelle / historische Verwendung
Fermentierte Lebensmittel wie Natto sind traditioneller Bestandteil der japanischen Küche; ein
gezielter „Wirkstoff“-Gedanke entstand jedoch erst mit der modernen K2-Forschung.
[Zu belegen: Primärquelle zur Natto-Tradition und ihrem K2-Bezug.]
Studienlage
Der Ausgangspunkt: Es gibt keine offizielle Empfehlung speziell für Vitamin K2. Der AI
von 90–120 µg gilt für Vitamin K gesamt und beruht fast ausschließlich auf K1-Forschung — er
sagt daher wenig darüber aus, wie viel K2 man konkret braucht [92].
Gefäßverkalkung — der bislang stärkste Befund. Eine Metaanalyse von 2023 (Frontiers in
Nutrition) wertete 14 randomisierte kontrollierte Studien aus; die häufigsten Dosierungen waren
180, 200 und 360 µg MK-7 pro Tag. Ergebnis: Die K2-Supplementierung verlangsamte das
Fortschreiten der Koronararterienverkalkung signifikant [92].
Knochen. In Studien an postmenopausalen Frauen verlangsamten 180 µg/Tag MK-7 über drei Jahre
den altersbedingten Knochenverlust [93]. Eine gesonderte Linie verfolgt MK-4 in
pharmakologischen Dosen von 15–45 mg/Tag (also 15.000–45.000 µg) — diese werden vor allem in
Japan zur Knochengesundheit eingesetzt [92][93].
Einordnung. Die klinischen Dosen der K2-Forschung (100–360 µg/Tag MK-7) liegen deutlich
über dem allgemeinen Vitamin-K-AI und über der üblichen K2-Zufuhr aus der Nahrung (~29 µg/Tag)
[91][92]. Die Befunde sind konsistent und mechanistisch plausibel — aber die Studienzahl ist
überschaubar, harte Endpunkte (Frakturen, Herzinfarkte) sind weniger gut belegt als
Surrogatparameter (Verkalkungsfortschritt, Knochendichte). Daher Belegstatus vorläufig: mehr
als bloße Hypothese, weniger als gesichert.
Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin
⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt dokumentiert, wie in naturheilkundlicher und alternativmedizinischer
Praxis mit dieser Substanz gearbeitet wird. Er beschreibt eine Praxis, nicht eine
nachgewiesene Wirkung. Die genannten Anwendungen sind überwiegend nicht durch
kontrollierte Studien gestützt und stehen teils im Widerspruch zum Abschnitt
„Studienlage“ — dieser bleibt maßgeblich für die Frage, was belegt ist.
Bei ernsthaften Erkrankungen (z. B. Krebs, Infektionen, chronischen Leiden) ersetzt
keine der hier beschriebenen Anwendungen eine ärztliche Diagnose und Behandlung.
Das Aufschieben einer wirksamen Therapie kann schwerwiegende Folgen haben.
Praxisrichtung(en): Orthomolekulare Medizin (Mikronährstoffmedizin)
Wird eingesetzt bei: Vitamin K2 wird in der Praxis vor allem in Kombination mit
Vitamin D3 eingesetzt — für Knochen- und Gefäßgesundheit. Die verbreitete Praxisregel lautet:
Vitamin D3 helfe, Calcium ins Blut aufzunehmen, und Vitamin K2 dirigiere es von dort in die
Knochen; wer zusätzlich D3 nehme, habe daher einen erhöhten K2-Bedarf [93]. Konkret empfohlen
wird in dieser Quelle: 120 µg/Tag für Männer, 90 µg/Tag für Frauen; bei mehr als 5.000 IE D3
täglich insgesamt 200 µg K2 [93].
Begründung in der Praxis: Es gilt die allgemeine orthomolekulare Annahme, ein biochemisches
Ungleichgewicht der Mikronährstoffe führe zu Krankheit [90]. Speziell bei K2 stützt sich die
Praxis auf die reale Arbeitsteilung K1/K2 und die Calcium-Lenkungs-Hypothese.
Übliche Form & Handhabung in der Praxis: MK-7-Präparate, häufig als D3+K2-Kombiprodukt.
Vertreter der Praxis achten dabei auf die trans-Form von MK-7 [93].
Einordnung. Hier liegt der Fall günstiger als bei den meisten Alternativ-Anwendungen —
die Praxisdosierungen (90–200 µg) bewegen sich im Bereich der klinisch untersuchten Mengen
(100–360 µg MK-7) [92], nicht im Megadosis-Bereich. Auch die Calcium-Lenkungs-Logik hat eine
mechanistische Grundlage [87]. Zwei Vorbehalte bleiben: Die Regel „mehr D3 = mehr K2-Bedarf“
ist eine plausible Ableitung, kein belegter Zusammenhang — Quelle [93] ist zudem eine
Anbieterseite. Und die harten Endpunkte sind weiterhin nicht belegt (siehe „Studienlage“).
Das Fehlen einer Obergrenze bedeutet nicht, dass beliebige Mengen sinnvoll wären — es gibt
schlicht keinen Beleg dafür, dass Megadosen zusätzlichen Nutzen bringen [87].
Quelle der Praxisbeschreibung: [90][93]
Praktische Hinweise
Zubereitung & Anwendungsformen
Über fermentierte Lebensmittel (v. a. Natto), Käse, Eigelb. Als Präparat meist MK-7, seltener
MK-4. Als fettlösliches Vitamin zu einer fetthaltigen Mahlzeit einnehmen.
MK-4 vs. MK-7 — der praktische Unterschied: MK-7 hat eine längere Halbwertszeit [88] und
wird deshalb in der Supplementforschung bevorzugt; es bleibt tagelang aktiv, andere Formen nur
Stunden [92]. MK-4 wird dagegen in sehr viel höheren, pharmakologischen Dosen eingesetzt [92].
Auf die trans-Form achten — cis-Analoga sind inaktiv [92].
Handhabung & Lagerung
Licht- und wärmegeschützt lagern.
Wer sollte vorsichtig sein
- Menschen unter Warfarin/Marcumar — höchste Priorität. Es gilt dasselbe wie bei
Vitamin K1: Die Zufuhr muss konstant bleiben, und
Änderungen gehören ärztlich abgesprochen [82][84]. - Menschen mit Malabsorption oder unter langfristiger Antibiotikagabe [82].
Empfohlene Dosierung
Offiziell: Es gibt keine eigene Empfehlung für K2. Der AI gilt für Vitamin K gesamt:
120 µg/Tag (Männer) bzw. 90 µg/Tag (Frauen) [92]. Eine Obergrenze existiert nicht [86][87].
Aus der Forschung (Referenzpunkte, keine Empfehlung):
| Form | In Studien verwendet |
|---|---|
| MK-7 | 100–360 µg/Tag, je nach Zielparameter [92] |
| MK-7 (Metaanalyse 2023, häufigste Dosen) | 180 · 200 · 360 µg/Tag [92] |
| MK-7 (Knochen, postmenopausal) | 180 µg/Tag über 3 Jahre [93] |
| MK-4 (pharmakologisch, Japan) | 15–45 mg/Tag [92][93] |
Diese Werte sind Referenzpunkte aus Studien — keine Anwendungsempfehlung. Fachlich abzuklären,
insbesondere bei bestehender Medikation.
[Zu belegen: DGE-Referenzwerte für DE/AT/CH sowie deren Position zu K2 im Speziellen.]
Risiken, Neben- & Wechselwirkungen
Toxizität: Für K1 und K2 ist keine Toxizität bekannt; eine abnorme Gerinnung steht nicht
im Zusammenhang mit überhöhter Vitamin-K-Zufuhr [84]. Auch deutlich höhere Dosen als der AI
haben in Forschungssettings keine unerwünschten Wirkungen hervorgerufen [87]. Anders das
synthetische Menadion (K3), das nicht mehr verwendet wird [88].
Warfarin: dieselbe kritische Wechselwirkung wie bei K1 — Warfarin blockiert die
VKOR-Aktivität und erzeugt einen funktionellen Vitamin-K-Mangel [84]. Die Zufuhr aus Nahrung und
Präparaten sollte täglich etwa gleich bleiben [82]. Eine eigenmächtig begonnene
K2-Supplementierung kann die Einstellung stören.
Weitere: Gallensäurebinder, Orlistat und Antibiotika können den Vitamin-K-Status
beeinflussen [88].
Rechtlicher Status
In DE, AT und CH als Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig, häufig als D3+K2-Kombination.
In Japan wird MK-4 in pharmakologischer Dosierung zur Knochengesundheit eingesetzt [92][93].
[Zu belegen: Höchstmengen in NEM und genauer Status je Land — offizielle Quelle einsetzen.]
Zusammenfassung
Vitamin K2 (Menachinon) ist eine Familie von Verbindungen (MK-4 bis MK-13), die aus fermentierten
und tierischen Lebensmitteln sowie aus der Darmbakterienflora stammen [86][88]. Es teilt die
Grundfunktion von Vitamin K1, hat aber einen anderen
Schwerpunkt: Es dirigiert Calcium in die Knochen und aus den Gefäßen heraus [87]. Eine
eigene offizielle Empfehlung existiert nicht — der AI von 90–120 µg gilt für Vitamin K gesamt und
beruht fast nur auf K1-Daten [92]. Eine Metaanalyse von 14 RCTs (2023) fand, dass K2 das
Fortschreiten der Koronararterienverkalkung signifikant verlangsamt [92]; 180 µg/Tag MK-7
verlangsamten bei postmenopausalen Frauen den Knochenverlust über 3 Jahre [93]. Belegstatus
vorläufig: konsistente Befunde bei Surrogatparametern, harte Endpunkte offen. Keine bekannte
Toxizität [84], aber unter Warfarin nur nach ärztlicher Absprache [82].
Quellen
[82] Vitamin K — Fact Sheet for Consumers. NIH Office of Dietary Supplements. https://ods.od.nih.gov/factsheets/VitaminK-Consumer/
[84] Vitamin K. Linus Pauling Institute, Oregon State University. https://lpi.oregonstate.edu/mic/vitamins/vitamin-K
[86] Vitamin K. In: Dietary Reference Intakes … Institute of Medicine, NCBI Bookshelf NBK222299. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK222299/
[87] How Much Vitamin K Per Day / How Much Vitamin K Is Too Much. ScienceInsights (Sekundärquelle). https://scienceinsights.org/how-much-vitamin-k-per-day-doses-by-age-and-sex/
[88] Vitamin K — Health Professional Fact Sheet. NIH Office of Dietary Supplements. https://ods.od.nih.gov/factsheets/VitaminK-HealthProfessional/
[89] Chatron N et al. Structural Insights into Phylloquinone (K1), Menaquinone (MK4, MK7), and Menadione (K3) Binding to VKORC1. Nutrients 2019;11(1):67. PMC6357001. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6357001/
[90] Orthomolekulare Medizin: Nährstoffe gegen Krankheiten. Habichtswald Reha-Klinik. https://www.habichtswald-reha-klinik.de/onkologie-lexikon/orthomolekulare-medizin/
[91] Vitamin K1 and K2 in the Diet of Patients in the Long Term after Kidney Transplantation. PMC9741316. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9741316/
[92] How Much Vitamin K2 Per Day Is Right for You? ScienceInsights (Sekundärquelle; referenziert Metaanalyse Frontiers in Nutrition 2023). https://scienceinsights.org/how-much-vitamin-k2-per-day-is-right-for-you/
[93] MK4 vs MK7 — The Two Forms of Vitamin K2 & The Differences. AlgaeCal Blog (Anbieterdarstellung). https://blog.algaecal.com/the-two-forms-of-vitamin-k2-and-how-to-get-them/
Hinweis zu [87], [92]: Sekundärquellen. Die zitierte Metaanalyse (Frontiers in Nutrition 2023,
14 RCTs) sollte vor Veröffentlichung im Original geprüft und direkt zitiert werden —
[Zu prüfen].
Hinweis zu [90], [93]: Praxis- bzw. Anbieterquellen. Sie belegen die Existenz und Beschreibung
der Praxis, nicht deren Wirksamkeit. [93] hat kommerzielles Interesse.
Verwandte Substanzen
- Vitamin K1 (Phyllochinon — andere Aufgabenverteilung)
- Vitamin D3 (in der Praxis häufig kombiniert)
- Calcium
- Vitamin A · Vitamin E
Vorkommen in Organismen
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Titel: Vitamin K2 (Menachinon)
Dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.