Glycyrrhizin

1. Januar 2026

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Belegstatus: natürlicher Süßstoff/Wirkstoff der Süßholzwurzel · ⚠ Sicherheitskritisch: übermäßiger Konsum verursacht Pseudoaldosteronismus (Bluthochdruck, Hypokaliämie, Ödeme)
Gruppe (Heimat): Sonstige

⚠️ Kernwarnung: Glycyrrhizin (aus Lakritz/Süßholz) hemmt ein Enzym des Cortisolstoffwechsels und kann bei zu hoher/langer Zufuhr einen Pseudoaldosteronismus auslösen: Bluthochdruck, niedriges Kalium (Hypokaliämie), Ödeme, Herzrhythmusstörungen — im Extremfall lebensbedrohlich. Die EFSA nennt 100 mg/Tag als Menge, die nicht regelmäßig überschritten werden sollte. Besondere Vorsicht bei Bluthochdruck, Herz-/Nierenerkrankung, unter Diuretika und in der Schwangerschaft.


Steckbrief

Feld Angabe
Trivialnamen / Synonyme Glycyrrhizin, Glycyrrhizinsäure, Glycyrrhizinat
Herkunft Wurzel des Süßholzes (Glycyrrhiza glabra), Rohstoff von Lakritz
Substanzklasse Triterpen(saponin)-Glykosid
Summenformel C₄₂H₆₂O₁₆ (Korrektur: das interne Quelldokument nannte fälschlich „C₃₁H₄₁O₁₁")
Süßkraft ca. 50-mal süßer als Saccharose [600]
Aktiver Metabolit Glycyrrhetinsäure (18β-Glycyrrhetinsäure)

Herkunft & Gewinnung

Glycyrrhizin ist der charakteristische Süß- und Wirkstoff der Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra), aus der auch Lakritz hergestellt wird [600][601]. Der Glycyrrhizin-Gehalt von Süßholz schwankt stark (ca. 2–25 %) [602]. Chemisch ist es ein Triterpen-Glykosid aus Glycyrrhetinsäure und zwei Glucuronsäure-Einheiten; im Darm wird es zu Glycyrrhetinsäure (und weiteren Metaboliten) hydrolysiert, die für die Wirkung verantwortlich sind [601][603].

Wirkstoffe & Chemie

Glycyrrhizin (C₄₂H₆₂O₁₆) wird zu 18β-Glycyrrhetinsäure und 3-Monoglucuronyl-Glycyrrhetinsäure (3MGA) metabolisiert [603][604]. Diese Metabolite hemmen das Enzym 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 (11β-HSD2) in der Niere, das normalerweise Cortisol zu (inaktivem) Cortison abbaut [601][605]. Die Folge: Cortisol aktiviert den Mineralocorticoid-Rezeptor wie Aldosteron → Natrium-/Wasserretention und Kaliumausscheidung (Mechanismus des „Pseudoaldosteronismus") [601][605].

Funktion und Einsatz im menschlichen Körper

Glycyrrhizin wird als natürlicher Süßstoff/Aroma (Lakritz, Süßwaren, Getränke, Tabak) und traditionell als Wirkstoff (u. a. entzündungshemmend, schleimlösend, antiviral) verwendet [600][606]. In Japan/Europa wird es teils bei chronischer Hepatitis eingesetzt [604]. Es ist kein essenzieller Nährstoff.

Wirkungen auf den Körper

Traditionelle / historische Verwendung

Süßholz wird seit der Antike bei Husten/Bronchitis, Magenbeschwerden/Geschwüren und Entzündungen verwendet [606]. Reine Verwendungsbeschreibung.

Studienlage

Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin

⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt — bitte zuerst lesen.
Dieser Abschnitt dokumentiert, wie in naturheilkundlicher und alternativmedizinischer
Praxis mit dieser Substanz gearbeitet wird. Er beschreibt eine Praxis, nicht eine
nachgewiesene Wirkung. Die genannten Anwendungen sind überwiegend nicht durch
kontrollierte Studien gestützt
und stehen teils im Widerspruch zum Abschnitt
„Studienlage“ — dieser bleibt maßgeblich für die Frage, was belegt ist.
Bei ernsthaften Erkrankungen (z. B. Krebs, Infektionen, chronischen Leiden) ersetzt
keine der hier beschriebenen Anwendungen eine ärztliche Diagnose und Behandlung.

Das Aufschieben einer wirksamen Therapie kann schwerwiegende Folgen haben.

Praxisrichtung(en): Traditionelle europäische/chinesische Phytotherapie; Ayurveda

Wird eingesetzt bei: Süßholz/Glycyrrhizin wird bei Husten/Bronchitis, Sodbrennen/Magengeschwüren, Entzündungen, (unterstützend) Virusinfektionen/Hepatitis und als Süßmittel eingesetzt [604][606].

Begründung in der Praxis: Begründet über die entzündungshemmenden, schleimhautschützenden und antiviralen Eigenschaften. Als Position der Praxis dargestellt — teils präklinisch/klinisch plausibel, aber durch die Sicherheitsgrenzen limitiert.

Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Süßholztee/-extrakt, Lakritz, Kapseln; für längere Anwendung teils deglycyrrhizinierte Süßholzpräparate (DGL), um das Pseudoaldosteronismus-Risiko zu vermeiden [606].

Einordnung: Süßholz hat reale entzündungshemmende/schleimhautschützende Eigenschaften — die Sicherheitsgrenze ist aber entscheidend: Regelmäßiger hoher Glycyrrhizin-Konsum (Lakritz, Süßholztee) kann Bluthochdruck und gefährliche Hypokaliämie auslösen [601][605]. Wer Süßholz länger nutzen will, sollte DGL (glycyrrhizinfrei) wählen. In der Schwangerschaft ist hoher Lakritzkonsum zu meiden (siehe „Risiken").

Quelle der Praxisbeschreibung: [604][606]

Belegt wird hier die Existenz der Praxis, nicht ihre Wirksamkeit.

Praktische Hinweise

Zubereitung & Anwendungsformen

Lakritz/Süßwaren, Süßholztee/-extrakt, Kapseln; DGL-Präparate für längeren Gebrauch. Auf den (oft nicht deklarierten) Glycyrrhizin-Gehalt achten [602].

Handhabung & Lagerung

Trocken lagern. Wichtig ist weniger die Lagerung als die Mengenkontrolle.

Wer sollte vorsichtig sein

Dosierung

Kein Nutzen-basierter „Zielwert". Sicherheitsgrenze: Glycyrrhizin möglichst < 100 mg/Tag; regelmäßig hoher Lakritzkonsum ist zu vermeiden [600][602]. Bei Symptomen (siehe unten) sofort absetzen.

Risiken, Neben- & Wechselwirkungen

Zentrales Risiko — Pseudoaldosteronismus: Bluthochdruck, Hypokaliämie, metabolische Alkalose, Ödeme; in schweren Fällen Muskelschwäche/Rhabdomyolyse, QT-Verlängerung und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen [601][605][607]. Warnzeichen zum sofortigen Absetzen und ärztlicher Abklärung: Bluthochdruck, Muskelschwäche/-krämpfe, Herzstolpern, starke Wassereinlagerung, ausgeprägte Müdigkeit. Meist reversibel nach Absetzen (Kalium/Spironolacton in schweren Fällen) [605][608]. Wechselwirkungen: Diuretika, Digoxin/Herzglykoside (Hypokaliämie ↑ Toxizität), Kortikoide, Antihypertensiva, Antiarrhythmika [607].

Rechtlicher Status

Glycyrrhizin ist als Lebensmittelzusatz/Aroma und in Süßholzpräparaten in DE, AT und CH verkehrsfähig. In der EU müssen glycyrrhizinhaltige Lebensmittel ab bestimmten Gehalten mit Warnhinweisen („enthält Süßholz — Personen mit Bluthochdruck sollten übermäßigen Verzehr vermeiden") gekennzeichnet werden.
[Zu belegen: konkrete EU-Kennzeichnungsschwellen (Süßholz/Glycyrrhizin in Süßwaren/Getränken) mit amtlicher Quelle.]

Zusammenfassung

Glycyrrhizin (C₄₂H₆₂O₁₆; ~50× süßer als Zucker) ist der Süß-/Wirkstoff der Süßholzwurzel und Rohstoff von Lakritz [600][601]. Sein Metabolit Glycyrrhetinsäure hemmt die 11β-HSD2, wodurch Cortisol den Mineralocorticoid-Rezeptor aktiviert — bei zu hoher/langer Zufuhr entsteht ein Pseudoaldosteronismus mit Bluthochdruck, Hypokaliämie, Ödemen und im Extremfall lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen [601][605]. Die EFSA nennt 100 mg/Tag als nicht regelmäßig zu überschreitende Menge [600]. Süßholz hat reale entzündungshemmende Effekte, sollte aber wegen dieser Sicherheitsgrenze kontrolliert (oder als glycyrrhizinfreies DGL) verwendet werden; in der Schwangerschaft und bei Herz-/Kreislauf-/Nierenerkrankungen ist Vorsicht geboten. Aufgrund der Sicherheitsrelevanz vor Veröffentlichung fachlich gegenlesen.

Quellen

[600] Licorice/Glycyrrhizin — Süßkraft (~50×), EFSA-Richtwert 100 mg/Tag, Gehalt in Süßholz. EFSA/Übersicht (Sekundärquelle mit Primärbezug). https://www.consultant360.com/article/consultant360/licorice-induced-pseudoaldosteronism
[601] Frontiers in Nutrition 2021 — Clinical Risk Factors of Licorice-Induced Pseudoaldosteronism (11β-HSD2-Hemmung, Metabolite, Mechanismus). https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2021.719197/full
[602] Yoshino T, et al. Narrative Review — Glycyrrhizin-Metabolite & Risikofaktoren (Dosis, Alter, Diuretika, Verstopfung, Hypoalbuminämie; Gehalt 2–25 %). PMC8484325. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8484325/
[603] Isolation of a novel glycyrrhizin metabolite (3MGA) als Kausalkandidat für Pseudoaldosteronismus. PMC6197257. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6197257/
[604] 18β-glycyrrhetyl-3-O-sulfate als Hauptmetabolit beim Menschen (GL-Einsatz Hepatitis/Allergie). PMC6367500. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6367500/
[605] Hypertensive crisis induced by glycyrrhizin — Fallbericht (Trias Hypertonie/Hypokaliämie/Alkalose, Reversibilität). PMC5882392. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5882392/
[606] Licorice (Glycyrrhiza glabra) — traditionelle Anwendungen, DGL (Kontext). Consultant360 (wie [600]). https://www.consultant360.com/article/consultant360/licorice-induced-pseudoaldosteronism
[607] Pseudohyperaldosteronism due to Licorice — Case Series (Risikofaktoren, QT/Rhabdomyolyse, Diuretika/Digoxin). PMC11242244. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11242244/
[608] Licorice-Induced Pseudohyperaldosteronism — Case Report (Reversibilität nach Absetzen, Spironolacton/Kalium). Clin Case Rep 2025. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ccr3.70005

Hinweis zu [600], [606]: Sekundärquellen (mit Primärbezug). [601]–[605], [607], [608] peer-reviewt.

Verwandte Substanzen

Vorkommen in Organismen

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