5-HMF (5-Hydroxymethylfurfural)

1. Januar 2026

sonstige maillard-reaktion lebensmittelstoff furan antioxidativ antisickling voxelotor kanzerogenitaet-nicht-belegt differenziert

Belegstatus: differenziert/zwiespältig — 5-HMF ist zugleich ein hitzeinduzierter Lebensmittelstoff (Maillard-Reaktion; in vitro diskutierte, in vivo aber nicht bestätigte Gentoxizität) und ein pharmakologisch interessantes Molekül (Antisickling — Vorbild für den FDA-Arzneistoff Voxelotor) · als Supplement nicht etabliert
Gruppe (Heimat): Sonstige

ℹ️ Einordnung Sicherheit: 5-HMF ist ein wärmeinduzierter Lebensmittelstoff, dessen Gehalt (z. B. in Honig) als Qualitätsmarker begrenzt wird. Eine Kanzerogenität beim Menschen ist nicht belegt: 5-HMF ist in vivo nicht gentoxisch, der reaktive Metabolit 5-SMF entsteht bei Mensch und Tier in vivo praktisch nicht, und die einzige Langzeit-Tierstudie ergab kein humanrelevantes Tumorsignal [991][992]. Es ist dennoch kein empfohlenes Supplement — die belegten positiven Wirkungen stammen aus Pharma-/Laborforschung, nicht aus der Selbsteinnahme.


Steckbrief

Feld Angabe
Synonyme / Trivialnamen 5-Hydroxymethylfurfural, 5-Hydroxymethyl-2-furfural, HMF, 5-HMF; CAS 67-47-0
Substanzklasse Furan-Aldehyd (Furanderivat); Maillard-/Karamellisierungs-Produkt
Summenformel C₆H₆O₃
Löslichkeit wasserlöslich; leicht aus Nahrung resorbiert, renal ausgeschieden [966]
Vorkommen in erhitzten zuckerhaltigen Lebensmitteln (Honig, Kaffee, Backwaren, Trockenobst, Fruchtsäfte); in hitzeverarbeiteten TCM-Drogen (z. B. Schisandra, Cornus, Rehmannia) [963][964]

Herkunft & Gewinnung

5-HMF entsteht durch säurekatalysierte thermische Dehydratisierung von Zuckern (v. a. Fructose) sowie als Zwischenprodukt der Maillard-Reaktion und Karamellisierung beim Erhitzen zuckerhaltiger Lebensmittel [963][964]. Es zählt zu den wichtigsten hitzeinduzierten Kontaminanten in Kaffee, Brot, Trockenobst, Fruchtsäften, Essig und Honig — in manchem Kaffee/Gebäck über 1000 mg/kg [964]. In der Lebensmittelanalytik dient der HMF-Gehalt als Frische-/Qualitätsindikator (z. B. bei Honig) [966]. Bemerkenswert: In hitzeverarbeiteten traditionellen chinesischen Arzneidrogen (Schisandra chinensis, Cornus officinalis, Rehmanniae radix, Polygonum multiflorum) kommt es in größeren Mengen vor — daher das pharmakologische Interesse [963].

Wirkstoffe & Chemie

5-HMF (C₆H₆O₃) ist ein Furan-Aldehyd. Es wird im Körper leicht resorbiert und zu verschiedenen Derivaten metabolisiert, die renal ausgeschieden werden [966]. Zur Toxikologie: Über das Enzym Sulfotransferase kann 5-HMF zum reaktiven, im Labor gentoxischen 5-SMF (5-Sulfoxymethylfurfural) umgesetzt werden — dieser Metabolit wurde bei Mensch und Tier in vivo bislang jedoch nicht nachgewiesen, und 5-HMF selbst ist in vivo nicht gentoxisch [991][964]. Gleichzeitig zeigt 5-HMF antioxidative Aktivität (Radikalfänger für ABTS/DPPH; Schutz von Erythrozyten vor Peroxidation) und antiinflammatorische Effekte (Hemmung von MAPK-, NF-κB- und Akt/mTOR-Signalwegen) [962][965]. Sein bekanntester pharmakologischer Effekt ist die selektive Bindung an Sichelzell-Hämoglobin (HbS), wodurch die Sauerstoffaffinität verändert und die Sichelbildung gehemmt wird [962][965].

Funktion und Einsatz im menschlichen Körper

5-HMF ist weder Nährstoff noch etabliertes Supplement. Es ist primär ein Lebensmittel-Nebenprodukt (Kontaminant/Qualitätsmarker) und daneben ein pharmakologischer Forschungswirkstoff [964][965]. Die medizinisch relevanteste Eigenschaft — die Antisickling-Wirkung — hat vor allem als Konzeptvorlage Bedeutung: Sie lieferte den wissenschaftlichen Wirknachweis, der später zur FDA-Zulassung von Voxelotor führte, einem potenteren, oral besser verfügbaren Aldehyd-Wirkstoff mit demselben Prinzip [962].

Wirkungen auf den Körper

Traditionelle / historische Verwendung

5-HMF hat keine eigenständige Heiltradition; es tritt aber als natürlicher Inhaltsstoff hitzeverarbeiteter TCM-Drogen auf, denen teils antioxidative Effekte zugeschrieben werden [963]. Reine Einordnung.

Studienlage

Einsatz in Naturheilkunde & Alternativmedizin

⚠️ Nicht wissenschaftlich belegt & sicherheitskritisch — bitte zuerst lesen.
5-HMF ist kein empfohlenes Nahrungsergänzungsmittel. Es ist ein hitzeinduzierter
Lebensmittelstoff, dessen Kanzerogenität beim Menschen nicht belegt ist (in vivo nicht gentoxisch).
Die dokumentierten positiven Effekte stammen aus pharmakologischer/präklinischer Forschung
und rechtfertigen keine gezielte Einnahme.
Bei Sichelzellkrankheit gibt es mit Voxelotor ein zugelassenes, geprüftes Arzneimittel —
5-HMF ist kein Ersatz und keine Selbstmedikation.

Praxisrichtung(en): vereinzelt in „Longevity"-/Antioxidans-Narrativen genannt; teils als Bestandteil hitzeverarbeiteter TCM-Drogen thematisiert

Wird eingesetzt bei: In alternativen Narrativen wird 5-HMF mit antioxidativer/„zellschützender" und antisickling-Wirkung beworben [962][963].

Begründung in der Praxis: Über die (real dokumentierte, aber präklinische) antioxidative und HbS-bindende Wirkung sowie das Vorkommen in TCM-Drogen.

Übliche Form & Handhabung in der Praxis: Keine etablierte Supplementform; am ehesten unbeabsichtigte Zufuhr über Nahrung oder als Bestandteil bestimmter TCM-Präparate.

Einordnung: Hier ist die Trennung besonders wichtig: 5-HMF hat einen echten pharmakologischen Wirknachweis (Antisickling), der aber in ein zugelassenes Arzneimittel (Voxelotor) überführt wurde — nicht in ein Supplement [962]. Eine gezielte Einnahme als „Antioxidans" ist daher nicht sinnvoll — nicht primär wegen eines belegten Krebsrisikos (das für den Menschen nicht nachgewiesen ist), sondern weil es dafür weder eine etablierte Dosis noch einen belegten Nutzen gibt [991][966].

Quelle der Praxisbeschreibung: [962][963]

Belegt wird hier die Existenz der Diskussion; ein sicherer Supplement-Nutzen ist nicht belegt.

Praktische Hinweise

Zubereitung & Anwendungsformen

Kein empfohlenes Supplement. Praktisch relevant ist v. a. die Minimierung der Nahrungszufuhr (schonende Zubereitung, frische Produkte); der HMF-Gehalt steigt mit Hitze und Lagerzeit [964][966].

Handhabung & Lagerung

Als Lebensmittelparameter: Honig/Fruchtsäfte kühl und dunkel lagern reduziert die HMF-Bildung.

Wer sollte vorsichtig sein

Empfohlene Dosierung

Keine — 5-HMF ist kein empfohlenes Nahrungsergänzungsmittel. Toxikologisch orientierend blieben in Tierversuchen ~80–100 mg/kg/Tag ohne beobachtete Toxizität, was aber keine Einnahmeempfehlung darstellt [966].

Risiken, Neben- & Wechselwirkungen

Anders als oft angenommen ist eine Kanzerogenität beim Menschen nicht belegt: 5-HMF ist in vivo nicht gentoxisch, der im Labor gentoxische Metabolit 5-SMF entsteht im lebenden Organismus praktisch nicht, und die einzige Langzeit-Tierstudie ergab kein humanrelevantes Tumorsignal [991][992]. Diskutiert werden dennoch mögliche Folgeprodukte (AGEs, mit Diabetes/Alterung/Herz-Kreislauf assoziiert) sowie entwicklungs-/herztoxische Effekte bei sehr hohen Konzentrationen in Tiermodellen [964][966]. Aus Vorsorgegründen wird der HMF-Gehalt in Lebensmitteln als Qualitätsparameter begrenzt [964]. Insgesamt ist die realistische Sicherheitsbewertung: bei üblicher Nahrungszufuhr unbedenklich, als gezieltes Supplement mangels Nutzen/Dosis nicht empfohlen.

Rechtlicher Status

5-HMF ist kein zugelassenes Arzneimittel (im Gegensatz zum abgeleiteten Wirkstoff Voxelotor) und kein etabliertes Nahrungsergänzungsmittel. In Lebensmitteln (v. a. Honig) gelten Höchstgehalte/Qualitätsgrenzwerte; die EU-Lebensmittelsicherheit überwacht HMF als hitzeinduzierten Kontaminanten. Gesundheitsbezogene Werbung wäre nicht zulässig.

Zusammenfassung

5-HMF (5-Hydroxymethylfurfural) ist ein Furan-Aldehyd und hitzeinduziertes Maillard-Produkt, das in vielen erhitzten zuckerhaltigen Lebensmitteln (Honig, Kaffee, Backwaren) vorkommt und dort als Qualitäts-/Frischemarker dient [963][964][966]. Es hat eine echte pharmakologische Wirkung — die Bindung an Sichelzell-Hämoglobin (Antisickling), die nach Phase-I/II-Studien zur FDA-Zulassung des verwandten Arzneistoffs Voxelotor führte — sowie präklinisch antioxidative, kardio- und hepatoprotektive Effekte [962][965]. Gleichzeitig ist es ein hitzeinduzierter Lebensmittelstoff, dessen Gehalt vorsorglich als Qualitätsparameter begrenzt wird — eine Kanzerogenität beim Menschen ist jedoch nicht belegt (in vivo nicht gentoxisch; der gentoxische Metabolit 5-SMF entsteht in vivo praktisch nicht; einzige Langzeitstudie ohne humanrelevantes Tumorsignal) [991][992]. Es ist kein empfohlenes Supplement; der Nutzen liegt in der Wirkstoffforschung, nicht in der Selbsteinnahme.

Quellen

[962] Pagare PP, et al. The antisickling agent, 5-hydroxymethyl-2-furfural: Other potential pharmacological applications (Safo 2004 Antisickling via HbS-Bindung; Phase-I/II bei SCD; FDA-Zulassung von Voxelotor als potenteres Analogon; anti-allergisch/antioxidativ/anti-hypoxisch/kognitiv/anti-proliferativ). Med Res Rev 2024. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/med.22062
[963] Ya Z, et al. Ameliorative Effects of 5-HMF from Schisandra chinensis on Alcoholic Liver Oxidative Injury in Mice (5-HMF Maillard-Produkt aus Fructose; in hitzeverarbeiteten TCM-Drogen: Lycium, Cornus, Rehmannia, Polygonum, Schisandra; Toxizitäts-/Mutagenitäts-/Kanzerogenitätsdebatte; Leberschutz im Mausmodell). Int J Mol Sci 2015;16:2446. PMC4346845. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4346845/
[964] Shapla UM, et al. 5-Hydroxymethylfurfural (HMF) levels in honey and other food products: effects on bees and human health (Maillard-Bildung; HMF als Honig-Qualitätsindikator; leicht resorbiert/renal ausgeschieden; Metabolit 5-SMF genotoxisch/nicht ausscheidbar; zugleich antioxidativ/anti-allergisch/anti-sickling/anti-hyperurikämisch). Chem Cent J 2018. PMID 29619623. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29619623/
[965] In vitro antioxidant and antiproliferative activities of 5-hydroxymethylfurfural (ABTS/DPPH-Radikalfänger; Schutz von Erythrozyten vor AAPH-Hämolyse; SOD/CAT/GPx↑; Apoptose/G0-G1-Arrest in A375-Melanomzellen) + Cardioprotective effects via L-type Ca²⁺ current inhibition (PMC5610158). PubMed 24107143. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24107143/
[966] 5-Hydroxymethylfurfural: A Particularly Harmful Molecule Inducing Toxic Lipids and Proteins? (keine Toxizität bei ~80–100 mg/kg/Tag im Tierversuch; mögliche Kanzerogenität von 5-HMF/5-SMF ausdrücklich als offene, mangels Daten unbewertete Frage; ROS/Apoptose in Magenepithel; herz-/entwicklungstoxisch in Modellen). Int J Mol Sci 2025. PMC12526219. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12526219/
[991] Abraham K, et al. Toxicology and risk assessment of 5-Hydroxymethylfurfural in food (Aufnahme ~4–30 mg/Person/Tag, bis ~350 mg möglich; in-vitro-Gentoxizität nur bei Bildung von 5-SMF positiv, in-vivo-Gentoxizität negativ; 5-SMF in vivo bei Mensch/Tier bisher nicht nachgewiesen; einzige Langzeitstudie ohne relevante Tumoren außer zweifelhaften Leberadenomen weibl. Mäuse → keine human­relevante kanzerogene/gentoxische Bedeutung ableitbar). Mol Nutr Food Res 2011;55:667. PMID 21462333. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/mnfr.201000564
[992] NTP. Technical Report on the Toxicology and Carcinogenesis Studies of 5-(Hydroxymethyl)-2-furfural (CAS 67-47-0) in F344/N Rats and B6C3F1 Mice (Gavage Studies) (2-Jahres-Kanzerogenitätsstudie; kein konsistentes, humanrelevantes Tumorsignal; lediglich Leberadenome bei weiblichen Mäusen mit zweifelhafter Relevanz). NTP TR-554, NIH Publication 10-5895, 2010. https://ntp.niehs.nih.gov/publications/reports/tr/500s/tr554/

Alle Quellen sind peer-reviewt bzw. behördlich (NTP). Zur Sicherheitsbewertung sind [991] (Risikobewertung) und [992] (NTP-Langzeitstudie) die maßgeblichen Belege: Eine Kanzerogenität von 5-HMF beim Menschen ist nicht belegt; der gentoxische Metabolit 5-SMF entsteht in vivo praktisch nicht. Ältere Formulierungen von „ungeklärtem kanzerogenem Potenzial" ([963][964][966]) geben die Debatte wieder, nicht einen Nachweis.

Verwandte Substanzen

Vorkommen in Organismen

Speicherort (Wiki.js)

Pfad: /substanzen/sonstige/5-hmf
Titel: 5-HMF (5-Hydroxymethylfurfural)


Dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.